IMBA Jahresrückblick: 2017 brachte Preise, Top-Publikationen und neue Biotech-Produkte

28.12.2017

Das Jahr 2017 am IMBA brachte nicht nur Auszeichnungen und wesentliche Erkenntnisse für die Grundlagenforschung, sondern auch wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Mehrwert: Neue Technologien und Open Access Ressourcen für das Zukunftsfeld der Biomedizin; erste Biotech-Produkte, die der Grundlagenforschung am IMBA entstammen und nun weltweit wirtschaftlich verwertet werden; sowie öffentliches Engagement im Rahmen des ersten Bioethiksymposiums am IMBA, das von den ForscherInnen initiiert wurde.

Neuigkeiten aus der IMBA Wissenschaft

2017 erschienen innerhalb weniger Wochen vier IMBA-Publikationen in hochrangigen Fachzeitschriften wie Nature und Cell: IMBA Direktor Josef Penninger und Wittgenstein Fellow Johannes Stadlmann beschrieben ein neuartiges Forschungsfeld, das etwa in der Krebsforschung zum Einsatz kommen könnte (Stadlmann, Taubenschmid et al., Nature, 2017). Glycoproteomics, die Verbindung von Proteinen und Zuckerstrukturen, kann etwa erklären, warum die Biowaffe Rizin so tödlich ist und wie Krankheitserreger Zugang zur Zelle bekommen. Ein umfangreicher Atlas dieser „gezuckerten“ Proteine soll nun ForscherInnen auf der ganzen Welt helfen, das junge Forschungsgebiet gemeinsam zu erschließen.

Ein „Archiv der Mutationen“, eine umfangreiche Sammlung haploider Stammzellklone, mit denen sich das Verhalten der Gene noch schneller und präziser studieren lässt, ließ die internationale Forschergemeinde aufhorchen. Entwickelt wurde diese einzigartige Sammlung von Gruppenleiter Ulrich Elling und Josef Penninger (Elling, Wimmer et al., Nature, 2017).

Einige grundlegende Entdeckungen konnten Licht in das komplexe biologische System der Zelle bringen: IMBA Senior Gruppenleiter Julius Brennecke, der sich den evolutionären Abwehrstrategien gegen Genomparasiten verschrieben hat, konnte mit seinem Team einen gänzlich neuen Mechanismus der Genexpression beschreiben und erklären, wie Zellen es schaffen, ihr eigenes Genom zu überlisten. (Andersen at al., Nature, 2017) Wesentlich für die Krebsforschung ist es auch, die Mechanismen der Zellteilung zu verstehen. Senior Gruppenleiter Daniel Gerlich konnte ein wichtiges Rätsel lösen und visualisieren, wie Zellen ihr Erbgut in nur einen und nicht mehrere Kerne packen (Samwer et al., Cell, 2017)

Auch klinisch Relevantes gibt es zu berichten: Der Zusammenhang zwischen Hormonen und Krebsentstehung, der zuvor bereits am Beispiel Brustkrebs (Forschungsgruppe Penninger) bewiesen wurde, konnte nun auch bei einem besonders aggressiven Lungenkrebs beschrieben werden. Die gute Nachricht: ein bereits zugelassenes Medikament könnte in klinischen Studien zum Einsatz kommen (Rao et al. Genes & Development, 2017).

Josef Penninger, Wissenschaftlicher Direktor am IMBA, zieht Resümee: „Dieses Jahr konnten am IMBA einige wichtige wissenschaftliche Meilensteine gesetzt werden. Dank Open Access Plattformen sind diese neuen Technologien für ForscherkollegInnen auf der ganzen Welt zugänglich und machen es möglich, die Wirkungskreise einzelner Gene noch detaillierter zu erforschen. Wir hoffen, dass wir damit einen Beitrag für biomedizinischen Fortschritt auf der ganzen Welt leisten können“.

Gesellschaftliche Herausforderungen und Bioethische Fragen

Im April dieses Jahres fand am IMBA das von ForscherInnen initiierte Bioethik- Symposium statt. Ethische Fragen, gesellschaftliche Herausforderungen und ein verantwortungsvoller Umgang rund um biotechnologische Neuerungen wurden in einem offenen und interdisziplinären Rahmen diskutiert. Stammzellpionier und IMBA Vizedirektor Jürgen Knoblich lud internationale Experten aus verschiedensten Bereichen zu Vorträgen und Podiumsdiskussion. Debattiert wurde unter anderem über die generelle Haltung der Gesellschaft hinsichtlich der Möglichkeiten und Risiken für Lebenswissenschaften und Medizin der Zukunft; und wie Hoffnungen sowie kritische Betrachtungen diese Grundhaltung formen. 

„Ausgezeichnete“ ForscherInnen 

Rund um den Internationalen Frauentag wurde IMBA Gruppenleiterin Kikuë Tachibana mit der renommierten Walther Flemming Medaille für ihre Forschung an der wohl geheimnisvollsten Zelle des Menschen, der Eizelle, ausgezeichnet. Die molekularen Prozesse in der befruchteten Eizelle geben Aufschluss, wie das „Wunder Leben“ programmiert sein muss, sodass sich aus einer Zelle ein gesamter Organismus bilden kann. Momentan ist dies „heißer“ Forschungsgegenstand der Stammzellbiologie, der ebenso neue Erkenntnisse für die Epigenetik bringt. Sabrina Ladstätter, Postdoktorandin im Labor von Tachibana, erhielt für ihre Publikation in Cell gleich zwei Preise: Den Life Science Research Award der Österreichische Gesellschaft für Molekulare Biowissenschaften und Biotechnologie (ÖGMBT) sowie den Best Paper Award der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Beata Mierzwa aus der Forschungsgruppe von Daniel Gerlich wurde ebenso für Ihre Doktorarbeit rund um ein Key-Player Protein der Zellteilung mit dem Life Science PhD Award der ÖGMBT ausgezeichnet. Ihr Mentor und Senior Gruppenleiter Daniel Gerlich wurde im Mai dieses Jahres in den renommierten Kreis der EMBO-Mitglieder aufgenommen, und schließt sich einem Kreis europäischer Spitzenforscher im Bereich der Molekularbiologie an. 

Wertschöpfung dank Grundlagenforschung

Die RNA-Biologie am IMBA legte die Basis für ein innovatives Biotech-Tool, „SlamSeq“, mit dem es möglich ist, präzise zu messen, wann und über welchen Zeitraum bestimmte Gene in einer Zelle aktiv sind. Das ist vor allem wichtig, wenn neue Wirkstoffe getestet werden. Stefan Ameres entwickelte mit seinem Team am IMBA diese neuartige Technologie, es folgte eine Lizenzierung an das benachbarte Unternehmen Lexogen. Seit Sommer ist SlamSeq auf dem Markt und wird bereits weltweit vertrieben. Gerade für die Pharmaindustrie ist dieses Produkt hochinteressant, etwa um neue Medikamente viel schneller und effizienter testen zu können.

Auch Know-How über die am IMBA 2013 erstmals gezüchteten Gehirnmodelle aus dem Knoblich-Labor konnte nun 2017 weltweit vermarktet werden. Zusammen mit dem kanadischen Biotech-Unternehmen Stem Cell Technologies wurde ein einzigartiger Toolkit entwickelt. ForscherInnen auf der ganzen Welt können nun auf die in Wien erschlossene Methode zurückgreifen, um psychiatrische und neurodegenerative Defekte im Detail zu erforschen.

„Für biomedizinische Innovationen braucht es – neben gesellschaftlich relevanten wissenschaftlichen Erkenntnissen –  auch einen optimalen Übergang dieser Technologien in die Produktentwicklung. Die jüngsten Vermarktungen unserer IMBA Forschungsergebnisse beweisen, dass Grundlagenforschung und Wertschöpfung erfolgreich Hand in Hand gehen. Vor kurzem konnten wir ein Patent für ein Enzym an eine US-Biotech Unternehmen vermarkten, auch für die Zukunft sind weitere Lizenzierungen bereits in Aussicht", freut sich Michael Krebs, Kaufmännischer Direktor des IMBA über einige „wirtschaftliche“ Früchte der Forschung am IMBA im Jahr 2017.

The Vienna Biocenter in the third district of Vienna has established itself as the premier location for life sciences in Central Europe and is a world-leading international bio-medical research center.

 

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