Wiener Erfolgsbeispiel: Ergebnis aus Grundlagenforschung wird nun weltweit verkauft

25.09.2017

ForscherInnen am IMBA – Institut für Molekulare Biotechnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften – entwickelten eine innovative Sequenzier-Methode mit einem gewaltigen Potenzial für Forschung und Medizin. Dies berichtet das Fachmagazin Nature Methods in seiner aktuellen Ausgabe. Der einzigartige Sequenzier-Kit wird nun durch das Biotech-Unternehmen Lexogen weltweit vermarktet. Sowohl IMBA als auch Lexogen befinden sich am lebendigen Life Science Cluster „Vienna BioCenter“. Durch die räumliche Nähe und die fruchtbaren Synergien zwischen Forschung und Biotechnologie an diesem Standort konnte das Grundlagenwissen sehr rasch und effizient in die Produktentwicklung übergeführt werden.

IMBA Group Leader Stefan Ameres und Lexogen CEO Alexander Seitz

„Ohne Grundlagenforschung gibt es keine Wertschöpfung“, sagt Josef Penninger, wissenschaftlicher Direktor des IMBA. Grundlagenforschung wird von Neugier getrieben, stellt gängige Konzepte in Frage und erkundet wissenschaftliches Neuland. Ideal, wenn sich daraus konkrete Anwendungen ergeben, die einen gesellschaftlichen Nutzen haben und auch wirtschaftlich verwertbar sind. Ein schönes Beispiel einer solchen Biotech-Erfolgsstory ist „SLAMseq“, eine Methode, die am IMBA entwickelt wurde und mit der sich beobachten lässt, welche Gene wann und wie lange aktiv sind. Das revolutionäre Sequenzierungstool wird nun vom Wiener Unternehmen Lexogen als Laborkit weltweit verkauft und soll vor allem in der biotechnologischen Forschung und in der Pharmabranche zum Einsatz kommen, etwa um neue Medikamente zu testen.

Neue Spitzentechnologie „Made in Vienna“
Die erstmalige Entschlüsselung des Erbguts dauerte zehn Jahre und kostete rund drei Milliarden Dollar. Dennoch war dies ein Meilenstein, der die biomedizinische Forschung revolutionierte. Heutige Methoden sind nicht nur wesentlich schneller und günstiger, sie liefern auch zusätzliche Informationen. „Next Generation Sequencing“ nennt sich die nächste Generation dieser Technologie, bei der nicht nur die Gene selber, sondern auch deren RNA Abschrift entschlüsselt wird. Das Wiener Biotech Unternehmen Lexogen entwickelt und vertreibt bereits ein umfassendes Portfolio an Produkten, die der Forschung und der Industrie erlauben, in kürzester Zeit Millionen und Milliarden von RNA Sequenzen zu analysieren. Mit SLAMseq, kommt nun ein innovatives Produkt aus Wien auf den Markt. Für medizinische Screenings oder das Testen von Medikamenten an lebenden Zellen ist diese Technik völlig neu und birgt enormes Potenzial für weitere medizinische Fortschritte. Die wissenschaftliche Basis für SLAMseq legte ein aufstrebendes Forschungsgebiet am IMBA – die RNA Biologie. Das Novum der neuen Methode: die genaue Funktion der Gene in einer lebenden Zelle über einen gewissen Zeitraum lässt sich messen und erfassen. „Bisher war nur ein kurzer Snapshot, also eine Momentaufnahme, dieser Prozesse möglich. Dank unserer neuen Technologie können wir diese nun endlich in einer Art Spielfilm erfassen, was uns ermöglicht die zugrundeliegenden Details besser zu verstehen“, vergleicht IMBA Gruppenleiter Stefan Ameres, der mit seinem Team geleitet von der Post-Doktorandin Veronika Herzog die wissenschaftliche Basis für SLAMseq legte.

Wien als Nährboden für Innovationen

In der richtigen Umgebung, wie dem Vienna BioCenter, werden Innovationen rascher zum Wirtschaftsfaktor und stärken damit die regionale Wertschöpfung nachhaltig. „Die jüngste Erfolgsgeschichte führt uns ganz konkret vor Augen, dass es sich lohnt, in einen Nährboden für Innovationen wie das IMBA und das Vienna BioCenter zu investieren. Das inspirierende Umfeld, die Begegnungszonen zwischen Unternehmen und Forschungsinstituten am Standort Vienna BioCenter haben zu dieser vielversprechenden Lizenzpartnerschaft mit der Firma Lexogen beigetragen“, sagt Michael Krebs, kaufmännischer Geschäftsführer des IMBA und Vorstandsmitglied des Vereins Vienna BioCenter. „Wir von Lexogen sind stolz darauf eine Innovation, die am Campus entwickelt wurde auf den Markt zu bringen und damit einen wesentlichen Teil der Wertschöpfung in Österreich zu halten“, meint Alexander Seitz, Gründer und Geschäftsführer der Lexogen.

 

Originalpublikation: Herzog et al, “Thiol-linked alkylation for the metabolic sequencing of RNA”, Nature Methods, DOI: 10.1038/nmeth.4435

 

 

Über IMBA
Das IMBA – Institut für Molekulare Biotechnologie gehört zu den führenden biomedizinischen Forschungsinstituten in Europa. Im Fokus stehen medizinisch relevante Fragestellungen aus den Bereichen Stammzellbiologie,RNA-Biologie, Molekulare Krankheitsmodelle und Genetik. Das Institut befindet sich am Vienna Biocenter, einem dynamischen Konglomerat aus Universitäten, akademischer Forschung und Biotechnologie-Unternehmen. Das IMBA ist ein Institut der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, der führenden Trägerin außeruniversitärer Forschung in Österreich.
www.imba.oeaw.ac.at

Über Lexogen
Gegründet im Jahr 2007, entwickeln Lexogen innovative Lösungen um die Aktivität von Genen mit Hilfe des Next Generation Sequencings (NGS) zu bestimmen. Neben Molekuarbiologischen Produkt Kits für unterschiedlichste Applikationen der RNA-Analyse umfasst Lexogens Portfolio ebenso RNA Kontrollen sowie Software zur Datenanalyse. Neben modernst ausgestatteten Forschungslabors, produziert und vertreibt das Unternehmen vom Standort Campus Vienna Biocenter aus seine Produkte auch selbst in einem weltweit rasant wachsenden Mark. www.lexogen.com

Über das Vienna Biocenter
Das Vienna BioCenter (VBC) ist einer der führender Life-Science-Standorte Europas und vereint die außergewöhnliche Kombination aus Forschung, Lehre und Privatwirtschaft an einem Campus: 1.700 MitarbeiterInnen, 1.300 StudentInnen, 86 Forschungsgruppen und 18 Biotech-Unternehmen. WissenschaftlerInnen aus über 65 Nationen schaffen ein hochdynamisches Umfeld auf internationalem Top-Niveau.
www.viennabiocenter.org

The Vienna Biocenter in the third district of Vienna has established itself as the premier location for life sciences in Central Europe and is a world-leading international bio-medical research center.

 

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