Genetik und Kunst - eine Symbiose

„Genetik und Kunst – eine Symbiose“

Universität für Angewandte Kunst Wien und IMBA - Institut für Molekulare Biotechnologie realisieren ein gemeinsames Projekt

Im Rahmen eines Wettbewerbs entwarfen junge Kunststudenten der Angewandten, darunter auch einige der Meisterklasse Erwin Wurm, insgesamt achtzehn Projekte. Sie ließen sich dabei von wissenschaftlichen Themen inspirieren und verarbeiteten Eindrücke, die sie in Gesprächen mit Forschern des Instituts für Molekulare Biotechnologie gewonnen hatten. Vier dieser Projekte wurden am IMBA realisiert.

'WHAT IF GOD WAS WRONG' von: Lukas Troberg

Donated by Liqun Zhang and family in memory of Limin.

Das Institute of Molecular Biotechnology (IMBA) versteht sich als weltweit zukunftsweisendes Forschungszentrum für Genetik, einem Bereich der Biologie, der trotz seiner außerordentlichen Möglichkeiten nach wie vor als umstritten gilt. Dass die Genetik etwa in der Medizin neue, wesentliche Erkenntnisse hervorbringt, jedoch auch gezielte Eingriffe in das Erbgut von Lebewesen ermöglicht, ist ein faszinierender und zugleich bedenklicher Umstand. Die von Lukas Troberg im IMBA realisierte Arbeit adressiert diese Kontroverse. Im halbseitig verglasten Wintergarten des IMBA ist der Satz „WHAT IF GOD WAS WRONG“ – etwa 12 Meter hoch und 5 Meter breit – zu lesen. Ob dies als Frage oder als Aussage zu verstehen ist, wird von Lukas Troberg offen gehalten, was sich im bewussten Verzicht auf das Satzzeichen andeutet. Das fehlende Zeichen markiert eine Veränderung der menschlichen Vorstellung von Gott; eine Bewegung, die ihren Ausdruck gesellschaftlich im Auseinanderdriften zu den Extremen des Idealismus bzw. Materialismus findet. Diese Verschiebung findet in ihrer Dualität auch an dem vom Künstler konkret gewählten Ort ihre Bedeutung wieder, werden doch im IMBA Veränderungen an dem, was wir als Schöpfung zu bezeichnen gelernt haben, vorgenommen. Die Frage nach Irrtümern in der göttlichen Schöpfung findet sich hier subtil weitergeführt zur Frage nach dem menschlichen Irrtum. Denn: indem wir das Leben nicht nur versuchen zu verbessern und zu optimieren, sondern es vielmehr erschaffen, scheinen wir den Platz Gottes eingenommen zu haben. Absolute Annahmen über einen unantastbaren, universellen Schöpfer verschwinden zu Gunsten differenzierter ethischer Kriterien, welche sich in allen Bereichen des täglichen Lebens manifestieren – Kriterien, vom Menschen geschaffen und zu neuen Geboten geworden. Somit ist der Satz "WHAT IF GOD WAS WRONG" nicht nur eine offensichtliche Frage, sondern auch eine Aufforderung im Sinne der von uns neu erschaffenen – wenn auch stets veränderbaren – Gebote.

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'MANDALAS 2008/10, DIASEC' von: Leander Schönweger

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Mit drei großformatigen Grafiken hat Leander Schönweger einen Lichtschacht des IMBA versehen. Die Grafiken nehmen sich in ihrer Größe ornamental-dekorativ hervor. Auf den zweiten Blick geben sie sich als gleichsam unendliche Wiederholung verschiedener Pflanzen und Tiere – angeordnet in konzentrischen Kreisen – zu erkennen. Die Wissenschaft bedient die dargestellten Grafiken mit den Objekten, aus denen sie bestehen: die Forschung mit Mäusen, Fruchtfliegen und Pflanzen, wie es sie am IMBA und GMI gibt, ist Grundlage für die Wahl der Gestaltungselemente der Grafiken. Gleichzeitig dienen sie der räumlichen Wegweisung im Gebäude, sind sie nicht zuletzt in jenen Bereichen positioniert, wo eben diese Elemente Forschungsgegenstand sind. Formal lassen die Grafiken in ihrer Form und ornamentalen Buntheit an eine Verwandtschaft mit den Rosettenfenstern christlicher Kirchen denken. Optisch wie inhaltlich nimmt Leander Schönweger in diesen Tier- und Pflanzengrafiken auch Anleihe an buddhistischen Mandalas und der Kunsttradition Indiens. Diese Bezugnahme adressiert Themen wie Meditation, Konzentration, Einheit und Vollkommenheit und stellt im ortsspezifischen Kontext einen Schnittpunkt zum System Wissenschaft her. Ein System, das mit jenem der Religion – vordergründig – nicht zu harmonieren scheint. So bilden die Grafiken gleichsam eine Zwangssymbiose von Wissenschaft und Religion, indem Themen aus beiderlei Systemen zu einer Einheit verschmolzen werden. Mit Bedeutung versehen wird hier zugleich die geometrische Form des Kreises – als Metapher für eine Bemühung ohne Fortschritt. Der gegenseitige, immer wieder erneuerte Vorwurf beider Systeme des "sich im Kreise Drehens" wird hier mit Ironie versehen, indem Leander Schönweger in seinen "Wissenschaftsmandalas" beide Systeme sich Hand in Hand im Kreise drehen lässt.

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'PLEASE LEAVE QUIETLY-2010' von: Kay Walkowiak

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Der Blick wandert nach oben: am Ende eines weißen Gerüsts aus Stangen und einer Leiter hängt ein Hometrainer kopfüber in 12 Meter Höhe. Mit dem aufsteigenden Blick entsteht Unbehagen und gleichzeitig ein Gefühl des Verlangens: ich muss es versuchen, ich kann es schaffen. Die Erfahrungswerte erscheinen als bloß archivierte Einträge – was präsent sich äußert ist das libidinöse Gefühl; der Drang nach Oben. Dieses tensionale Verhältnis von Nähe und Distanz zugleich, schafft nun einen Bezugsraum, ähnlich einer theatralen Situation: Das Setting wird zum imaginären bühnenartigen Möglichkeitsraum, der als Raum der Potentialität - zwischen Wunsch und Erfüllung - stets in der Schwebe bleibt. So mutet die gegebene Situation als eigenwillige Versuchsanordnung an, dessen absurden Moment man sich nicht entledigen kann. Assoziationen an den Mythos von Ikarus mögen sich einstellen oder auch an das Grenzen verschiebende Ereignis der Mondlandung. Wo liegen die Grenzen des Möglichen, wo verläuft dabei die Verantwortung des Einzelnen? Was bewegt den Menschen dazu, stets an diese Ränder zu gehen und darüber hinaus? Ist der Wissenschaftler wirklich rein objektiver Beobachter oder doch nur ein affektgetriebenes Wesen? Stets dem Willen zur Gewissheit unterworfen und von der Angst getrieben nichts dem Zufall und der Ungewissheit zu überlassen? Der Künstler Kay Walkowiak beschäftigt sich in seinen raumgreifenden skulpturalen Arbeiten mit den Fragen menschlichen Verhaltens: Wer handelt unseren Körper? Wer handelt uns? Sind unsere Handlungen aktiv gesetzt oder vielmehr Re-Aktionen, Handlungsmuster der Gewohnheit, die sich stets automatisch fortwährend re-produzieren?

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‚THE UNEXPECTED RESULT OF AN EUPHORIC RELATIONSHIP’, 2008/10 von: Ian Deschka

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Zwei Pixelgrafiken (a, b) werden aus den Bedingtheiten des sie umgebenden digitalen Bildbeschreibungssystems herausgelöst, um sie in ein alternatives vektorbasiertes Darstellungssystem zu überführen. Dabei werden die im Raster angeordneten Pixel durch grafische Primitive wie Geraden, Kreise oder Kurven nachgebildet und unerwünschte Charakteristika durch neue Attribute, wie verlustfreie geometrische Skalierbarkeit, ersetzt. Diese bei der Transformation geschaffenen Vektor-Nachbildungen (a’, b’) werden anschließend mittels geometrischer Modellierung miteinander kombiniert und moduliert. Die entstandenen Variationen (c’, d’, e’, e’’...) stellen eine breit angelegte Variabilität des Ausgangsmaterials dar, um für die spätere Anwendung als Intervention maximale Aufmerksamkeit und Identifikation durch den Betrachter zu generieren. “The unexpected result of an euphoric relationship“ bedient sich mit unverhohlener Lust am Bild- und Wortschatz der scheinbar exakten Welt der naturwissenschaftlichen Forschung. Die Interpretation wissenschaftlicher Produktions- und Arbeitsweisen durch kreative, experimentelle Prozesse und die formale grafische Darstellung unvorhersehbarer Ergebnisse mittels Diagramm hinterfragen die Grenze zwischen einem Originalitätsprinzip, das ausschließlich künstlerischem Schaffen vorbehalten scheint, und dem reproduzierbaren Charakter, welcher der wissenschaftlichen Innovation zugeordnet wird. In diesem Spannungsfeld versteht sich die Intervention zugleich als visuelle Rückkoppelung und als Reflexion auf die Produktionsweisen von Kunst und Wissenschaft.

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The Vienna Biocenter in the third district of Vienna has established itself as the premier location for life sciences in Central Europe and is a world-leading international bio-medical research center.

 

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